TuS Freya Friedewalde 1920 e.V.

Gefahr für die Ahnungslosen

11.04.2012 - 
Plötzlicher Herztod bei Breitensportlern wird oft unterschätzt / Dr. Klaus-Peter Mellwig empfiehlt vorsorgliches Herz-Screening

VON JÜRGEN KRÜGER

Petershagen-Friedewalde. Zuletzt traf es einen 27-jährigen C-Liga-Fußballer aus Barntrup (Kreis Lippe), kurz davor einen  14-jährigen Läufer in Rotterdam: Die Gefahr, einen plötzlichen Herztod zu erleiden, wird von den meisten Breitensportlern nicht ernst genommen, sagt Dr. Klaus-Peter Mellwig, Oberarzt bei der kardiologischen Klinik des Herz- und Diabeteszentrums NRW (HDZ) mit Sitz in Bad Oeynhausen.

Während beim Profisport regelmäßige Untersuchungen zum Trainings-Alltag gehörten,  läuft im Hobbysport nach Mellwigs Ansicht „gar nichts“. Dabei wagen immer mehr ehemalige Sportler oder Anfänger im Alter jenseits von 30 Jahren den Schritt in ein neues sportliches Leben. Rekord-Meldezahlen bei den Volksläufen bestätigen diesen Trend. Das ist auch der Grund, warum Mellwig in Petershagen referiert. Er folgte der Einladung des TuS Freya Friedewalde, der soeben mit zwei Anfängerkursen, Laufen und Nordic Walking, gestartet ist und am Donnerstag, 17. Mai (Himmelfahrt) seinen 2. Friedewalder Volkslauf mit Walking und Nordic Walking durchführt.

Klaus-Peter Mellwig gehört zum Ärzteteam der Deutschen Handball Nationalmannschaft und ist einer der führenden Sportkardiologen in Deutschland. Während sich die Spitzensportler in Bad Oeynhausen die Klinke in die Hand geben, ist die Bereitschaft der Breitensportler eher zurückhaltend.  „Eine Umfrage unter ambitionierten Läufern hat ergeben, dass die Hälfte der unter Vierzigjährigen bezogen auf Herzuntersuchungen noch nie einen Arzt gesehen hat“, sagt Mellwig.

„Sport mit Herz“ - so heißt der Vortrag und zugleich auch die Initiative, die Klaus-Peter Mellwig seit einigen Jahren vorantreibt. „Was wir machen, ist eine Reihenuntersuchung, die Risikofaktoren entdecken kann“, so Mellwig weiter. Beim sogenannten „Herz-Screening“ untersuchen die Mediziner für 30 Euro das Herz des Sportlers. Die Untersuchung umfasst eine Familienanamnese, ein 12-Kanal-EKG sowie eine Untersuchung von Körper und Herz. Die Ergebnisse werden sofort mit dem Sportler besprochen. In den vergangenen fünf Jahren haben sich in Ostwestfalen-Lippe rund 3.000 Sportler untersuchen lassen – von, in dieser Region, geschätzten 690.000 in Vereinen organisierten Mitgliedern. „Wir haben schon einige herausgefiltert“, sagt Mellwig. Unter den Risikofaktoren am häufigsten seien Herzklappenfehler, verengte Arterien und eine Ruhefrequenz des Herzens von mehr als 120 Schlägen pro Minute. Besonders auffällig war die hohe Zahl der untersuchten Sportler mit krankhaftem Bluthochdruck (mehr als 140:9). Mellwig: „Bei den untersuchten Männern im Alter von unter zwanzig Jahren litten darunter fast 27 Prozent, bei den jungen Frauen fast 17 Prozent.“ Selbst angeborene Erkrankungen des Herzmuskels könnte das Screening entdecken. Eine in Italien entwickelte und vom HDZ verteilte Software sei in der Lage, das EGK entsprechend auszuwerten.

Die größte Hürde, die Mellwig seit Jahren schon versucht zu nehmen, ist die Aufmerksamkeit der Breitensportler zu gewinnen. „Obwohl jeder für sich selbst verantwortlich ist, hängt alles davon ab, ob ein Vereinsvorsitzender oder ein Trainer die Initiative ergreift“, sagt der Sportkardiologe und ergänzt: „Es ist sehr schwer, dieses Thema in der Provinz zu platzieren, dort, wo sich die meisten Breitensportler aufhalten.“ Ein Blick in die Runde gibt ihm Recht:  Unter den rund dreißig Zuhörern im Jugendgästehaus Petershagen befindet sich nicht ein einziger Teilnehmer von den beiden Anfängerkursen des TuS Friedewalde.

Das Herz-Screening führen neben dem HDZ mehrere niedergelassene Ärzte in OWL durch. Eine Liste gibt es auf der Internetseite www.sport-mit-herz.de .
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