TuS Freya Friedewalde 1920 e.V.

Retten bis der Arzt kommt

05.12.2010 - TuS Freya Friedewalde führt erstmalig einen Erste-Hilfe-Kurs durch / Sechzehn Teilnehmer

Petershagen-Friedewalde (jk). „Ich möchte die Ohnmacht, Unselbstständigkeit und Angst überwinden, Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen“, sagt Heinz-Rudolf Niedringhaus. Der 64-Jährige betreibt in Friedewalde ein großes landwirtschaftliches Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern. Sein letzter Erste-Hilfe-Kurs liegt rund dreißig Jahre zurück, und das scheint ihm entschieden zu lange zu sein.
Niedringhaus nutzt die Gelegenheit, die ihm der TuS Freya Friedewalde quasi vor seiner Haustür bietet. Im Gemeindehaus veranstaltet der Friedewalder Sportverein den sogenannten „Großen Erste-Hilfe-Kurs“. Dahinter verbergen sich zwölf Zeitstunden Theorie und Praxis, aufgeteilt an zwei Samstagen. Für die Durchführung hat der TuS Friedewalde die Johanniter-Unfallhilfe Minden gewonnen, und die senden mit Jan Zassenhaus einen 21-jährigen Rettungssanitäter, der sich bestens auskennt. Eigentlich ist Zassenhaus Informatiker, doch seit zwei Jahren hat er sich dem ehrenamtlichen Dienst bei den Johannitern verschrieben. Und der junge Mann beeindruckt die sechzehn Teilnehmer, rund die Hälfte davon Führerscheinanfänger.
Erste HilfeDas neue Konzept der Johanniter besteht aus sechs Rettungsinseln, die die Kursteilnehmer nach und nach abklappern: Stabile Seitenlage, Wiederbelebung, Probleme in der Brust, um Kopf und Bauch, sowie Verletzungen. Ausgestattet mit reichlich Schulungsmaterial macht sich Jan Zassenhaus gemeinsam mit seinem Kurs auf die lange Reise. Spätestens als er das Video startet, das bis ins kleinste Detail einen Herzinfarkt bei einem Bauarbeiter zeigt, ist Ruhe im Saal. Diese interessant und sehr anschaulich aufbereitete Geschichte, die den Betrachter sogar mit durch die Blutbahnen ins Herz nimmt, packt jeden an.

Ganz schön außer Atem geraten die Kursteilnehmer, als sie an den mitgebrachten Lernpuppen abwechselnd Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage durchführen müssen, und zwar so lange, bis Jan Zassenhaus eine Geschichte zu Ende erzählt hat. Und der Mindener kann lange Geschichten erzählen. Nach rund zwölf Minuten sind alle fix und fertig.

Erste Hilfe Schauspielerisches Talent ist am zweiten Seminartag gefragt, der im Krummenhof in Stemmer abgehalten wird. Beinahe schon sensationell sackt Walter Giesler in sich zusammen, fasst sich an den Kopf und stammelt plötzlich nur noch dummes Zeug. Jessica Bagusat und Bärbel Buchholz machen alles richtig und retten den Verletzten bis der Arzt kommt. Der kommt natürlich nicht wirklich, aber wichtig ist, dass die zwei Frauen alles richtig machen.

Am Ende erhalten alle sechzehn Teilnehmer ihre Bescheinigung. Unter ihnen ist auch Valeri Coordes, die zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. „Ich möchte in Hille bei den Ferienspielen als Betreuerin mitmachen. Außerdem brauche ich den Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein“, sagt die 16-Jährige, die die acht doppelten Schulstunden á 90 Minuten sehr unterhaltsam findet. Was bei den jugendlichen sicher unter dem Begriff „cool“ geführt wird bezeichnet Heinz-Rudolf Niedringaus eher als eine „sehr aufschlussreiche Veranstaltung. „Unser Referent ist sehr kompetent und hat die Themen gut aufbereitet, obwohl der Kurs sehr umfangreich ist“, sagt der Landwirt. Besonders der richtige Umgang mit Verletzungen habe ihn am meistens beeindruckt. Valeri Coordes lobt die vielen Fallbeispiele. „Wenn wir nach draußen vor die Tür mussten und dann hereingerufen wurden, um Erste Hilfe zu leisten, war sehr spannend“, so die Friedewalderin.

Für den TuS Freya Friedewalde ist die Organisation eines Erste-Hilfe-Kurses eine Premiere. Der Sportverein wickelt Anmeldung, Bezahlung und die Verpflegung ab und findet in der Evangelischen Kirchengemeinde Friedewalde-Stemmer einen verlässlichen Partner, der die Seminarräume gegen eine kleine Spende stellt. Zwölf der sechzehn Teilnehmer sind Vereinsmitglieder. Sie erhalten die Hälfte der Kursgebühr in Höhe von 30 Euro nach erfolgreichem Abschluss erstattet. Der TuS Freya überlegt nun, Erste-Hilfe-Kurse in einer bestimmten Regelmäßigkeit, vielleicht alle zwei Jahre, anzubieten.

Erste HilfeHier die Teilnehmer: Hendrik Reiner, Heinz-Rudolf Niedringhaus, Michael Schmidt, Rudi Wagner, Eva Boer, Bärbel Buchholz, Inge Breves, Renate Kruse, Dagmar Meier, Elke Buddenbohm, Jessica Bagusat, Walter Giesler, Daniel Kruse, Jonas Huck,Jan Niklas Wiegmann, Valeri Coordes.
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